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Mit Muskeln Gesundheitskosten sparen

  • Jan Stutz, Dr. sc. ETH
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Muskeln sind unsere Energie- und Proteinbank. Eine Versicherung im Alter, bei Krankheit oder Erschöpfung – und sie sind in jedem Alter trainierbar.




Menschen mit Gebrechlichkeit – einem generellen Zustand von Erschöpfung und Schwäche, der häufig mit Muskelschwund einhergeht (1) – zahlen im Durchschnitt 586 Franken pro Monat mehr an Gesundheitskosten als Menschen ohne Gebrechlichkeit (2).



Muskel als Aminosäurenpool


Muskeln sind deshalb so wichtig, weil sie viel mehr sind als nur Bewegung. Die Skelettmuskulatur macht 40 % des Körpers aus und dient als Reservoir für Aminosäuren, die von anderen Geweben wie Haut, Gehirn und Herz zur Synthese organspezifischer Proteine genutzt werden (siehe Abbildung 1).



Muskel als metabolische Reserve

Abbildung 1. Aminosäuren aus der Skelettmuskulatur sind zentral für den Aufbau und den Erhalt der Körpersysteme. Ergänzend stellen Glukose aus der Leber (gespeichert als Glykogen oder neu gebildet, z. B. aus Aminosäuren aus den Muskeln (Gluconeogenese)) sowie Fettsäuren (vorwiegend aus dem Fettgewebe) wichtige Substrate für Aufbau und Funktion dar.



Dieses Reservoir ist besonders bei erhöhtem Bedarf an Proteinen wichtig, wie das im Alter, bei Krankheiten, Immobilisation, Stress, körperlicher Belastung oder ungenügender Energieaufnahme der Fall ist. Ohne dieses Reservoir sind wir einem erhöhten Risiko für Immunschwäche, Infektionen, verzögerte Wundheilung und verschiedene Krankheiten ausgesetzt (3).



Muskel als Energiespeicher


Muskeln dienen auch als Reservoir für Glukose, respektive Glykogen (die Speicherform von Glukose). Das ist besonders wichtig für die Muskelkontraktion, da Glukose im Muskel zur Energiegewinnung verwendet wird. Das ermöglicht Bewegung, auch wenn wir gerade keine Glukose aus der Nahrung aufgenommen haben (3). 


Unter normalen Bedingungen stammt der Hauptanteil der Glukose im Blut aus dem Abbau von Glykogen in der Leber. Diese wird von anderen Organen aufgenommen und zur Energiegewinnung und normalen Funktion der Zellen verwendet (3). Wenn die Speicher in der Leber jedoch leer sind, wie das bei Krankheit, Schwäche oder Hunger der Fall sein kann, liefert die Skelettmuskulatur Aminosäuren zur Neubildung von Glukose in der Leber (Gluconeogenese, siehe Abbildung 1). Auch hier gilt also: Je mehr Muskeln, desto grösser die Reserve für eine normale Körperfunktion in belastenden Situationen.


Ab etwa dem 50. Lebensjahr nimmt jedoch die Muskelmasse um etwa 10 % pro Jahrzehnt ab (4). Doch wir sind diesem Prozess nicht machtlos ausgeliefert. Wie in diesem Artikel beschrieben, können wir auch noch im hohen Alter Kraft und Muskeln aufbauen. Falls du konkrete Übungen suchst, findest du sie hier:




Fazit


Muskeln dienen als Protein- und Energiebank und tragen dazu bei, Gesundheitskosten zu senken. Sie sind besonders wertvoll bei belastenden Situationen wie Krankheit, Infektionen, Schwäche oder Hunger. Das Gute: Muskeln lassen sich in jedem Alter aufbauen.



Referenzen

1.          Sato R, Vatic M, Peixoto da Fonseca GW, Anker SD, von Haehling S. Biological basis and treatment of frailty and sarcopenia. Cardiovasc Res. 2024 Jul 31;120(9):982–98.

2.          Bock JO, König HH, Brenner H, Haefeli WE, Quinzler R, Matschinger H, et al. Associations of frailty with health care costs--results of the ESTHER cohort study. BMC Health Serv Res. 2016 Apr 14;16:128.

3.          Argilés JM, Campos N, Lopez-Pedrosa JM, Rueda R, Rodriguez-Mañas L. Skeletal Muscle Regulates Metabolism via Interorgan Crosstalk: Roles in Health and Disease. J Am Med Dir Assoc. 2016 Sep 1;17(9):789–96.

4.          Wilkinson DJ, Piasecki M, Atherton PJ. The age-related loss of skeletal muscle mass and function: Measurement and physiology of muscle fibre atrophy and muscle fibre loss in humans. Ageing Res Rev. 2018 Nov;47:123–32.

5.          Neves T, Ferriolli E, Lopes MBM, Souza MGC, Fett CA, Fett WCR. Prevalence and factors associated with sarcopenia and dynapenia in elderly people. J Frailty Sarcopenia Falls. 2018 Dec;3(4):194–202.

6.          Cannataro R, Carbone L, Petro JL, Cione E, Vargas S, Angulo H, et al. Sarcopenia: Etiology, Nutritional Approaches, and miRNAs. Int J Mol Sci. 2021 Sep 8;22(18):9724.

7.          Walston JD. Sarcopenia in older adults. Curr Opin Rheumatol. 2012 Nov;24(6):623–7.

8.          Fritzen AM, Thøgersen FD, Qadri KAN, Krag T, Sveen ML, Vissing J, et al. Preserved Capacity for Adaptations in Strength and Muscle Regulatory Factors in Elderly in Response to Resistance Exercise Training and Deconditioning. Journal of Clinical Medicine. 2020 Jul;9(7):2188.

9.          Grgic J, Garofolini A, Orazem J, Sabol F, Schoenfeld BJ, Pedisic Z. Effects of Resistance Training on Muscle Size and Strength in Very Elderly Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Sports Med. 2020 Nov;50(11):1983–99.


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