Muskeln als Sicherheitsnetz
- Jan Stutz, Dr. sc. ETH
- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 1 Tag
Muskeln dienen als Reserve für eine normale Körperfunktion in belastenden Situationen – und sie sind in jedem Alter trainierbar.
Muskeln sind mehr als nur Bewegung. Die Skelettmuskulatur macht 40 % des Körpers aus und dient als Reservoir für Aminosäuren (die Bausteine von Proteinen), die von anderen Geweben wie Haut, Gehirn und Herz zur Synthese organspezifischer Proteine genutzt werden (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1. Aminosäuren aus der Skelettmuskulatur sind zentral für den Aufbau und den Erhalt der Körpersysteme. Ergänzend stellen Glukose aus der Leber (gespeichert als Glykogen oder neu gebildet, z. B. aus Aminosäuren aus den Muskeln (Gluconeogenese)) sowie Fettsäuren (vorwiegend aus dem Fettgewebe) wichtige Substrate für Aufbau und Funktion dar.
Dieses Reservoir ist besonders bei erhöhtem Bedarf an Proteinen wichtig, wie das im Alter, bei Krankheiten, Immobilisation, Stress, körperlicher Belastung oder ungenügender Energieaufnahme der Fall ist. Ohne dieses Reservoir sind wir einem erhöhten Risiko für Immunschwäche, Infektionen, verzögerte Wundheilung und verschiedene Krankheiten ausgesetzt (1).
Muskeln dienen auch als Reservoir für Glukose, respektive Glykogen (die Speicherform von Glukose). Das ist besonders wichtig für die Muskelkontraktion, da Glukose im Muskel zur Energiegewinnung verwendet wird. Das ermöglicht Bewegung, auch wenn wir gerade keine Glukose aus der Nahrung aufgenommen haben (1).
Unter normalen Bedingungen stammt der Hauptanteil der Glukose im Blut aus dem Abbau von Glykogen in der Leber. Diese wird von anderen Organen aufgenommen und zur Energiegewinnung und normalen Funktion der Zellen verwendet (1). Wenn die Speicher in der Leber jedoch leer sind, liefert die Skelettmuskulatur Aminosäuren zur Neubildung von Glukose in der Leber (Gluconeogenese, siehe Abbildung 1). Auch hier gilt also: Je mehr Muskeln, desto grösser die Reserve für eine normale Körperfunktion in belastenden Situationen.
Ab etwa dem 50. Lebensjahr nimmt jedoch die Muskelmasse um etwa 10 % pro Jahrzehnt ab (2). Doch wir sind diesem Prozess nicht machtlos ausgeliefert. Wie in diesem Artikel beschrieben, können wir auch noch im hohen Alter Kraft und Muskeln aufbauen. Falls du konkrete Übungen suchst, findest du sie hier:
Fazit
Muskeln dienen als Protein- und Energiebank. Sie sind besonders wertvoll bei belastenden Situationen wie Krankheit, Infektionen, Schwäche oder Hunger. Das Gute: Muskeln lassen sich in jedem Alter aufbauen.
Referenzen
1. Argilés JM, Campos N, Lopez-Pedrosa JM, Rueda R, Rodriguez-Mañas L. Skeletal Muscle Regulates Metabolism via Interorgan Crosstalk: Roles in Health and Disease. J Am Med Dir Assoc. 2016 Sep 1;17(9):789–96.
2. Grgic J, Garofolini A, Orazem J, Sabol F, Schoenfeld BJ, Pedisic Z. Effects of Resistance Training on Muscle Size and Strength in Very Elderly Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Sports Med. 2020 Nov;50(11):1983–99.



